09.06.2015: Kölnische Rundschau - Sommerfest mit Besuch von Frau Schadt

Daniela Schadt, die Lebensgefährtin von Bundespräsident Gauck, besuchte das integrative Café for Ju in Pulheim-Geyen. Zwei Stunden nahm sie sich Zeit, um mit Betreuern, Eltern und Jugendlichen über das Projekt zu sprechen.

Von Christina Hustedt

Pulheim-Geyen.
Mit bloßem Lächeln und Repräsentieren kam Daniela Schadt bei ihrem Besuch des Sommerfestes des Café for Ju am Sonntagnachmittag nicht davon – wollte sie auch gar nicht. Spontan nahmen die Jugendlichen des integrativen Jugendcafés die Lebenspartnerin des Bundespräsidenten Joachim Gauck in ihre Mitte und gingen mit ihr auf eine mehrstrophige, amüsante und gestenreiche „Bärenjagd“. Der Ersten Frau im Staat machte die Aktion und der gesamte Besuch im Geyener Pfarrgarten sichtlich Freude, auch wenn die jugendlichen und erwachsenen Besucher des Sommerfestes angesichts des hohen Besuchs schon ein wenig aufgeregt waren. Doch mit ihrer offenen, direkten und freundlichen Art nahm Daniela Schadt den Pulheimern schnell die Berührungsängste.

Zwei Stunden nahm sie sich Zeit, um mit Betreuern, Eltern und vor allem natürlich mit den Jugendlichen über das besondere Projekt ins Gespräch zu kommen. Es blieb sogar noch Zeit für ein Stück selbstgebackenen Kuchen vom üppigen Büfett und ein Griff in den Tombola-Lostopf. „Ich wusste gar nicht, was mich hier erwartet, doch ich bin wirklich begeistert“, erklärte die Lebensgefährtin des Bundespräsidenten. „Das hier ist eine wunderbare Einrichtung.“

Doch wie ist es gelungen, Daniela Schadt gerade für das Café for Ju so zu begeistern, dass sie in ihrem vollen Terminkalender einen Platz für einen Besuch in Geyen freihielt? Zu verdanken ist das Eva Müsgen, einer der Organisatoren des integrativen Cafés. Die 29-jährige Sinthenerin lernte Daniela Schadt im vergangenen Jahr bei einem Sommerfest für Ehrenamtler im Schloss Bellevue in Berlin kennen. Kurzerhand lud sie die Partnerin des Bundespräsidenten zum nächsten Sommerfest nach Geyen ein. Und zur Freude aller Beteiligten klappte es tatsächlich mit dem Besuch. Dafür legte Daniela Schadt sozusagen einen Zwischenstopp auf ihrem Weg nach Bonn ein. Am Sonntagvormittag war sie von Berlin in Richtung der alten Bundeshauptstadt geflogen. In der kommenden Woche hat sie dort einige Termine, die ebenfalls in die Themenbereiche Integration, Inklusion und Förderung von Kindern und Jugendliche fallen.

Dabei mag Daniela Schadt den Begriff „Inklusion“ eigentlich gar nicht, wie sie einräumt. Er klinge immer etwas klinisch. Den Gedanken dahinter unterstütze sie allerdings uneingeschränkt. Sie findet es wichtig, dass Nichtbehinderte und Menschen mit geistigem oder körperlichem Handicap ganz selbstverständlich miteinander umgehen. „Das ist ein großer Gewinn für beide Seiten“, sagt Daniela Schadt. In einer Einrichtung wie dem Café for Ju sei wunderbar zu sehen, wie „normal“ Jugendliche mit und ohne Behinderung miteinander umgingen, und auch wie wichtig das Engagement der Ehrenamtler für ein solches Projekt sei. „Das hier ist ein schöner Raum und genau das, was man sich von Herzen wünscht“, so Daniela Schadt. „Wenn man gemeinsam Freude und Spaß hat, werden viele Dinge selbstverständlich.“ Und gerade diese Selbstverständlichkeit im Umgang miteinander gelte es überall zu erreichen. Dabei könne sie durchaus die Unsicherheit und Berührungsängste von Nichtbehinderten verstehen. „Das ist nicht schlimm. Man geniert sich aus der Unsicherheit heraus“, so Daniela Schadt. Doch das dürfe kein Grund sein, Kontakte und Begegnungen zu meiden. Im Gegenteil, wer sich das Café for Ju ansehe, baue schnell jede Unsicherheit ab. Deshalb könne man solche Projekte gesellschaftlich gar nicht hoch genug bewerten. Und genau deshalb sei sie gerne und mit Überzeugung der Einladung nach Geyen gefolgt.

Artikel Kölner Stadtanzeiger: Begegnen ohne Berührungsängste

Initiative
Begegnung ohne Berührungsängste

Von Maria Machnik, 16.08.10, 18:21h
Alle zwei Monate treffen sich Jugendliche mit und ohne Behinderung im „Café for Ju“. Maximilian Weber nimmt auch häufig teil und gibt zu: „Am Anfang hatte ich Berührungsängste.“ Die seien aber verflogen, als eine behinderte Jugendliche auf ihn zugegangen sei.
Café for Ju
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Austausch: Alle zwei Monate treffen sich Jugendliche und junge Erwachsene im „Café for Ju“ im Pfarrzentrum St. Martinus. (Bild: Privat)
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Austausch: Alle zwei Monate treffen sich Jugendliche und junge Erwachsene im „Café for Ju“ im Pfarrzentrum St. Martinus. (Bild: Privat)
Pulheim-Sinthern – Aus einer einmaligen Aktion ist längst eine regelmäßige Begegnung geworden. Einmalig sei das Angebot aber trotzdem, sagen die, die daran teilnehmen. Alle zwei Monate, jeweils sonntags, 14 bis 17 Uhr, treffen sich ein paar Dutzend Jugendliche im „Café for Ju – Café für Jugendliche und junge Erwachsene mit und ohne Behinderung“ im Pfarrzentrum St. Martinus, Brauweiler Straße 18.

Gemeinsam hören sie Musik oder musizieren, malen, spielen, tanzen, gehen sportlichen Aktivitäten nach oder sitzen einfach nur zusammen und klönen. Einige der Cafégäste suchen das Gespräch mit Mitarbeitern der „Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsangebote für Menschen mit geistiger Behinderung“, kurz KoKoBe, aus.

Eva Müsgen möchte das Café, das vor fünf Jahren als integratives Freizeitprojekt im Firmunterricht entstand, nicht mehr missen. „Es ist eine wichtige Anlaufstelle“, sagt die 24-jährige Sinthernerin. Das Miteinander, frei von Berührungsängsten, und die Chance, sich kennen zu lernen, sich auszutauschen, schätzt die junge Frau. Im „Café for Ju“ könne sie auch schon mal die unabhängige Meinung einer Fachfrau oder eines Fachmannes einholen. „Von Angesicht zu Angesicht ist das einfacher als am Telefon und auch zwangloser.“

Für Eva Müsgen ist das Angebot des katholischen Pfarrverbandes Brauweiler / Geyen / Sinthern aber noch aus einem ganz anderen Grund so wichtig. Da die Angestellte in einem Pulheimer Büro seit Kindertagen im Rollstuhl sitzt und nur eingeschränkt mobil ist, ist sie darauf angewiesen, dass ihre Mutter sie fährt. „Aber ins Café komme ich alleine“, zum Pfarrzentrum sei es nicht weit. Schon allein aus diesem Grund fände die Sinthernerin es schön, wenn das Café häufiger geöffnet wäre.

Eine ganz neue Erfahrung war das „Café for Ju“ für den 19-jährigen Maximilian Weber. Der Geyener ist einer der Messdiener, die im „Café for Ju“ ehrenamtlich helfen und sich um die Jugendlichen kümmern. Vor einem Jahr hat er sich entschieden mitzumachen. Er habe anfangs Berührungsängste gehabt, gibt Maximilian Weber zu. Bei der ersten Begegnung habe er auch nicht recht gewusst, wie er sich verhalten solle. Doch dann habe eine behinderte Jugendliche ihn gefragt, ob er nicht „Vier gewinnt“ mit ihr spielen wolle. „Da waren die Berührungsängste wie weggeblasen.“

Mathilde Plaßmann, Mutter eines 14-jährigen Sohnes mit Down-Syndrom (Trisomie 21), ist froh, dass es das Sonntagsangebot gibt. „Es ist eine Erleichterung, sonst würde Felix den ganzen Sonntag zu Hause verbringen“, sagt die Brauweilerin. Samstags könne sie ihren Sohn in das Jugendhaus des Vereins „Miteinander leben“ in Köln-Sürth bringen. Sonntags sei das anders, daher sei sie froh, dass es das „Café for Ju“ gibt. „Felix hat Spaß, er ist ausgepowert, wenn er nach Hause kommt, und hat mal etwas anderes als seine Eltern“, sagt Mathilde Plaßmann.

Da das „Café for Ju“ im Stadtgebiet Pulheim etwas Besonderes ist, würden es Eva Müsgen, Mathilde Plaßmann und Maxiliam Weber begrüßen, wenn es das Sonntagsangebot häufiger und nicht nur alle zwei Monate gäbe. Eine Einrichtung ähnlich wie das Jugendhaus in Köln-Sürth, hervorgegangen aus einer Initiative, wünscht sich Mathilde Plaßmann. „Ich habe tausend Ideen, aber wir brauchen auch Leute“, sagt Klaus Grüning, einer der Initiatoren des „Café for Ju“, das die Stiftung der Familie Berghe von Trips, der Landschaftsverband Rheinland und die Stadt finanziell unterstützen. Er habe auch die Idee, einen Verein zu gründen.

Erstmals gibt es am Donnerstag, 18. August, 9 bis 17 Uhr, im „Café for Ju“, Pfarrheim St. Martinus, Brauweiler Straße 18, Ferienspiele. Das nächste „Café for Ju“ ist wegen des Pfarrfestes für Samstag, 25. September, ab 17 Uhr, im Sintherner Fronhof geplant.

» Artikel Kölner Stadtanzeiger: Begegnen ohne Berührungsängste

Presserartikel des Landschaftsverbandes Rheinland

LVR fördert Integrationscafé „Café-for-Ju” in Pulheim-Sinthern

Unterstützung für „Leuchtturmprojekte“ im ganzen Rheinland / „Café-for-Ju“ soll Begegnung junger Menschen mit und ohne Handicap anregen / Nächster Café-Treff am 27. September

Köln. / Pulheim. 14. September 2009. Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) fördert im Rahmen seiner Arbeit für die gesellschaftliche Integration von behinderten Menschen Freizeit- und Bildungsprojekte im Rheinland mit insgesamt 208.000 Euro. Im Rhein-Erft Kreis unterstützt der LVR drei Projekte mit insgesamt rund 8.000 Euro. „Wir fördern Projekte, hinter denen neue und innovative Ideen stehen und die die Begegnung behinderter und nicht behinderter Menschen zum Ziel haben. Diese Beispiele zeigen, wie Integration und Teilhabe von Menschen mit Behinderung funktionieren kann“, so LVR-Sozialdezernentin Martina Hoffmann-Badache.

Ein solches Projekt ist das „Café-for-Ju“ in Pulheim. In zwangloser Atmosphäre können Jugendliche und junge Erwachsene mit und ohne Behinderung sich hier austauschen, Kaffee trinken und Vorurteile abbauen. Der Katholische Pfarrverband Brauweiler/ Geyen/ Sinthern organisiert die regelmäßigen Café-Treffen in Kooperation mit der KoKoBe Rhein-Erft-Kreis (Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsstelle für Menschen mit geistiger Behinderung). Das nächste Treffen findet statt am 27. September ab 14 Uhr im Pfarrheim der Katholischen Kirchengemeinde St. Martinus in Pulheim-Sinthern, Brauweilerstraße 16. Nähere Informationen zum „Café-for-Ju“ gibt es im Internet: www.cafe-for-ju.de.

Das Themenspektrum der anderen „Leuchtturmprojekte“ im Rheinland reicht von einer Video-Podcast-Werkstatt bis hin zu Selbstbehauptungskursen. Die Förderung von Freizeitprojekten flankiert das LVR-Programm „ambulant vor stationär“, das darauf abzielt, mehr behinderten Menschen die Möglichkeit zu geben selbstständig in der eigenen Wohnung zu leben.

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Ihr Ansprechpartner für redaktionelle Fragen:

Till Döring
LVR-Fachbereich Kommunikation
Telefon: 0221 / 809 – 77 37
E-Mail: till.doering@lvr.de

Ansprechpartner

» Presserartikel des Landschaftsverbandes Rheinlandf

Artikel Kölner Stadtanzeiger: Ich bin rund um die Uhr einsetzbar

Ausland
„Ich bin rund um die Uhr einsetzbar“

Von Maria Machnik, 24.08.10, 17:03h, aktualisiert 24.08.10, 17:35h
Maximilian Weber kümmert sich in New Hampshire in den USA um Behinderte. Zwölf Monate verbringt der 19 Jahre alte Pulheimer dort. Erste Erfahrungen sammelte er bereits im als Betreuer im Café for Ju.
sozialpraktisches Jahr
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Maximilian Weber geht für ein Jahr die Vereinigten Staaten. Er absolviert dort ein sozialpraktisches Jahr. (Bild: Machnik)
sozialpraktisches Jahr
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Maximilian Weber geht für ein Jahr die Vereinigten Staaten. Er absolviert dort ein sozialpraktisches Jahr. (Bild: Machnik)
Pulheim-Geyen – Reisefieber hat Maximilian Weber nicht. Im Gegenteil. Dem 19-Jährigen kann es gar nicht schnell genug gehen. „Die Vorfreude, endlich dort anzukommen und einen neuen Lebensabschnitt beginnen zu können, ist riesig.“

In der kommenden Woche beginnt für den Geyener ein anderes Leben. Der Abiturient klinkt sich aus, um in einer Einrichtung für Erwachsene mit körperlicher und geistiger Behinderung zu arbeiten. Zwölf Monate dauert sein „Sozialpraktisches Jahr im Ausland“, kurz SJA. Ziel ist eine Einrichtung in Temple im US-Bundesstaat New Hampshire.

Was in den USA auf ihn zukommt, weiß Maximilian Weber momentan noch nicht so recht. Die Gesichter der Frauen und Männer, die er in den kommenden Monaten betreuen wird, kennt Maximilian Weber schon. Mitarbeiter der Einrichtung hatten dem neuen Mitglied ihres Teams ein Foto geschickt. Auch über die Wochenstunden ist er informiert. 45 Stunden, verteilt auf fünf Tage, wird er in der Einrichtung, in der er auch wohnt, im Einsatz sein. Alles andere lässt er auf sich zukommen. „Ich bin rund um die Uhr einsetzbar.“ Honoriert wird sein Einsatz mit einem kleinen monatlichen Obolus. Ein bisschen mulmig wird es Maximilian Weber schon, wenn er an den neuen Lebensabschnitt denkt. Der Gedanke, er könne im Umgang mit den Bewohnern überfordert sein, beschleicht ihn hin und wieder. Doch dann beruhigt er sich selbst, denn so ganz unvorbereitet und unerfahren im Umgang mit Menschen mit Behinderung ist Maximilian Weber nicht. Ein Jahr hat der Messdiener als Betreuer im „Café for Ju – Café für Jugendliche und junge Erwachsene mit und ohne Behinderung“ im Pfarrzentrum St. Martinus Sinthern gearbeitet.

Am Anfang habe er sich den Kopf zerbrochen und gewisse Berührungsängste verspürt. „Ich wusste nicht, wie ich mit den behinderten Jugendlichen umzugehen habe“, erinnert sich Maximilian Weber. Doch nach den ersten Minuten im „Café for Ju“ waren die anfänglichen Zweifel wie weggefegt. „Die Jugendlichen sind so offen auf mich zugegangen. Ich habe mich sofort wohlgefühlt. Da war die Hemmschwelle abgebaut, und ich wusste, ich gehe wieder hin.“ Die Erfahrung mit den Jugendlichen im „Café for Ju“ war wegweisend für Maximilian Weber. Er beschloss, sich für ein sozialpraktisches Jahr im englischsprachigen Ausland, bevorzugt in Übersee, zu bewerben. Und da „ich gemerkt habe, dass ich beruflich etwas mit Menschen machen möchte, habe ich meinen Berufswunsch umgemodelt.“ Der Wunsch, Sport zu studieren, ist passé. „In den vergangenen Wochen habe ich mich auf Physiotherapie eingeschossen.“ Der Wunsch, Menschen helfen zu können, sei ihm dabei wichtig. Im Wintersemester 2011 / 2012 möchte Maximilian Weber in den Niederlanden sein Studium beginnen.

Gedanken hat sich Maximilian Weber auch schon über seine Freizeitgestaltung gemacht. Die zwei freien Tage pro Woche und die freie Woche nach drei Monaten Arbeit möchte er nutzen, um sich im Land umzuschauen. In Boston beispielsweise, das eineinhalb Autostunden entfernt ist. „Ich möchte etwas von dem Land sehen“, sagt Maximilian Weber.

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Unterstützt durch den Pfarrverband Brauweiler / Sinthern / Geyen